Früher wurde in vielen Betrieben die ganze Herde nach festem Kalender entwurmt – heute weiß man, dass genau das ein Hauptgrund für Resistenzen ist. Selektive Entwurmung heißt: gezielt behandeln, wo es nötig ist, und die restliche Herde in Ruhe lassen.
Warum pauschale Entwurmung problematisch ist
Wird die ganze Herde regelmäßig entwurmt, unabhängig vom tatsächlichen Befall, entwickeln die Würmer mit der Zeit Resistenzen gegen die eingesetzten Wirkstoffe. Das Ergebnis: Das Mittel wirkt irgendwann nicht mehr zuverlässig – und zwar bei der gesamten Herde, nicht nur bei den Tieren, die eigentlich behandelt werden mussten.
Studien zeigen außerdem, dass in praktisch jeder Herde 20–30 % der Tiere nur schwach mit Magen-Darm-Würmern belastet sind. Genau diese Tiere unbehandelt zu lassen, ist einer der wirksamsten Wege, um die Wirksamkeit der Entwurmungsmittel langfristig zu erhalten.
Wie du feststellst, wer wirklich behandelt werden muss
- Kotprobenuntersuchung: der zuverlässigste Weg. Frischer Kot mehrerer Tiere wird gesammelt und im Labor auf die Anzahl der Wurmeier pro Gramm untersucht – mehr dazu in unserem separaten Ratgeber zur Kotprobenentnahme [INTERNER LINK: Kotproben-Ratgeber noch verlinken].
- FAMACHA-Methode: bei Betrieben mit erhöhtem Parasitendruck kann die Beurteilung der Augenschleimhaut-Farbe helfen, anämische (stark belastete) Tiere von gesunden zu unterscheiden. Blasse Schleimhäute deuten auf einen relevanten Befall hin, kräftig rosa Schleimhäute meist nicht.
Praktisches Vorgehen
- Kotprobe von der Herde nehmen (Sammel- oder Einzelprobe, je nach Verdachtslage)
- Nur die Tiere behandeln, bei denen die Untersuchung einen relevanten Befall zeigt
- 1–2 Wochen nach der Behandlung erneut eine Kotprobe der behandelten Tiere nehmen – sind kaum noch Wurmeier nachweisbar, hat das Mittel gewirkt. Bleibt die Belastung hoch, kann eine Resistenz gegen den eingesetzten Wirkstoff vorliegen.

Wirkstoffwechsel und Anwendung
Um Resistenzen weiter vorzubeugen, ist es sinnvoll, Wirkstoffgruppen nicht dauerhaft gleich einzusetzen, sondern nach Rücksprache mit dem Tierarzt gelegentlich zu wechseln. Welches Präparat, welche Dosierung und welcher Wirkstoffwechsel für deine Herde sinnvoll ist, solltest du immer mit deinem Tierarzt oder einer Fütterungs-/Gesundheitsberatung abstimmen – pauschale Empfehlungen aus dem Internet sind hier keine sichere Grundlage, da Resistenzlagen regional stark variieren.
Mein Rat aus der Praxis
Selektive Entwurmung bedeutet etwas mehr Aufwand als „einfach jeden zweimal im Jahr spritzen“ – aber genau dieser Mehraufwand ist es, der dafür sorgt, dass die Mittel überhaupt noch wirken, wenn du sie wirklich brauchst. Ich lasse regelmäßig Kotproben untersuchen, statt auf Verdacht zu behandeln, und fahre damit deutlich besser als früher mit der pauschalen Methode.