Die meisten Ablammungen verlaufen völlig unkompliziert und ohne dass du eingreifen musst. Trotzdem lohnt es sich, die normalen Anzeichen einer bevorstehenden Geburt zu kennen und vor allem zu wissen, wann du selbst nicht mehr eingreifen solltest, sondern den Tierarzt rufen musst.
Anzeichen einer bevorstehenden Geburt
- Das Muttertier sondert sich von der Herde ab und sucht einen ruhigen Platz
- Unruhiges Verhalten, häufiges Hinlegen und Aufstehen, „Scharren“ der Einstreu
- Das Euter füllt sich in den letzten Tagen vor der Geburt sichtbar
- Die Vulva wird weicher und geschwollen, teils mit klarem Schleimausfluss
Der normale Geburtsverlauf
Eine unkomplizierte Geburt läuft in groben Phasen ab: Eröffnungswehen (das Muttertier wird unruhig, legt sich hin und steht wieder auf), gefolgt von den eigentlichen Presswehen, bei denen zunächst die Fruchtblase und dann das Lamm erscheint. Ein Lamm kommt in der Regel mit den Vorderbeinen voran, Kopf zwischen den Beinen liegend. Von den ersten deutlichen Presswehen bis zur Geburt des Lamms sollte es zügig vorangehen – zieht sich das über einen längeren Zeitraum ohne sichtbaren Fortschritt hin, ist das ein Warnsignal.
Warnsignale, bei denen du den Tierarzt rufen solltest
- Anhaltende, kräftige Presswehen ohne Fortschritt über einen längeren Zeitraum
- Sichtbare Fehllage: statt der Vorderbeine erscheinen zuerst Kopf ohne Beine, nur ein Bein, Hinterbeine oder gar keine erkennbare Struktur
- Das Muttertier wirkt zunehmend erschöpft oder apathisch
- Auffälliger Ausfluss (übel riechend, stark blutig) vor oder während der Geburt
- Die Nachgeburt löst sich nicht innerhalb weniger Stunden nach der Geburt
Bei jedem dieser Anzeichen gilt: lieber einmal zu früh den Tierarzt kontaktieren als zu spät. Der Versuch, eine Fehllage selbst zu korrigieren, ohne die nötige Erfahrung zu haben, kann sowohl dem Lamm als auch dem Muttertier schaden – das ist etwas, das du dir am besten von deinem Tierarzt oder einem erfahrenen Schäfer direkt am Tier zeigen lässt, nicht ausschließlich aus einem Artikel lernst.

Was du nach der Geburt tun solltest
- Nabel des Lamms desinfizieren, üblicherweise mit einer Jodlösung, um Infektionen vorzubeugen
- Kontrollieren, ob das Lamm innerhalb der ersten Stunden Kolostrum (Biestmilch) aufnimmt. Das ist essenziell für den Aufbau der Immunabwehr
- Bei Zwillings- oder Drillingsgeburten beobachten, ob alle Lämmer gleichermaßen zum Euter kommen
- Muttertier und Lamm/Lämmer in Ruhe lassen, aber in den ersten Stunden regelmäßig kontrollieren
Wie ich die Ablammzeit bei mir organisiere
In der Praxis läuft bei mir in den Tagen vor dem errechneten Termin ein einfaches Ritual: abends und morgens kurz durch die Herde schauen, bevor der Rest des Tages losgeht. Die Tiere, die sich absondern oder unruhig wirken, kriegen dann ein Auge mehr. Die meisten Geburten bei mir passieren früh morgens oder nachts. Das deckt sich mit dem, was viele erfahrene Halter berichten, ist aber keine Garantie, mit der du planen solltest.
Was mir über die Jahre am meisten geholfen hat: eine Uhr oder den Handy-Timer mitlaufen lassen, sobald die Presswehen richtig einsetzen. Das nimmt das Bauchgefühl aus der Frage „war das jetzt schon zu lang?“ raus. Nach spätestens 30 Minuten kräftiger Presswehen ohne sichtbaren Fortschritt kontrolliere ich vorsichtig selbst, ob Lage und Stellung passen, und rufe spätestens nach etwa drei Stunden ohne Fortschritt den Tierarzt, auch wenn es sich in dem Moment nach „vielleicht geht’s ja doch noch“ anfühlt. Diese Regel hat mir schon mehr als einmal Zeit gespart, die am Ende gezählt hat.
Mein Rat aus der Praxis
Die allermeisten Ablammungen brauchen von dir nur Geduld und ein wachsames Auge, keinen aktiven Eingriff. Der wichtigste Skill ist nicht die Technik der Geburtshilfe selbst, sondern die Fähigkeit, frühzeitig zu erkennen, wann etwas nicht normal läuft – und dann ohne zu zögern den Tierarzt zu rufen, statt selbst zu experimentieren.